Am Wochenende kehrten Schüler*innen aus Stufe 8 gemeinsam mit Frau Berkenhoff und Herrn Roth vom Erasmus+-Projekt auf Mykonos zurück. Gemeinsam mit unseren griechischen Partnerschulen haben wir uns einer Leitfrage gewidmet, die uns durch die gesamte Projektwoche begleitet hat: „Warum sind die Kykladen seit Jahrtausenden ein Magnet für Menschen aus aller Welt?“ Um dieser Frage nachzugehen, erforschten unsere Schülerinnen und Schüler die Entwicklung der Inseln von der Antike über die christlich geprägte Zeit bis hin zur heutigen Rolle Mykonos’ als international bedeutende Tourismusregion. Dazu entwickelten sie eigene Interviewleitfäden und führten Gespräche mit Archäologen, Geistlichen, Unternehmern, Lehrkräften sowie Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde. Gleichzeitig entstand umfangreiches Film- und Interviewmaterial, das in den kommenden Wochen zu einem Dokumentarfilm weiterentwickelt wird. Ein besonderes Merkmal des Projekts war die Zusammenarbeit mit allen drei öffentlichen weiterführenden Schulen der Insel Mykonos – dem General Lyceum, dem Gymnasium und dem EPAL Mykonos. Gemeinsam mit den griechischen Schülerinnen und Schülern arbeiteten unsere Jugendlichen an der Leitfrage, besuchten den Unterricht und erhielten spannende Einblicke in das griechische Schulsystem sowie in zahlreiche Schulprojekte ihrer Partnerschulen. Besonders beeindruckt hat uns die außergewöhnliche Wertschätzung, die unserem Projekt entgegengebracht wurde. Nach Aussage unserer Gastgeber war die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule die erste Schulklasse überhaupt, die offiziell von der Gemeinde Mykonos im Rathaus empfangen wurde. Während der gesamten Woche wurden wir nicht einfach als Besucher, sondern wie eine offizielle Delegation der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule und der Stadt Ostfildern behandelt. Im Rathaus wurden wir von Bürgermeister Christos Veronis, der stellvertretenden Bürgermeisterin für Bildung, Marsoula Chanioti, sowie dem stellvertretenden Bürgermeister für Tourismus und Wirtschaft, Argyris Kousathanas, herzlich begrüßt. Im Namen der Stadt Ostfildern durften wir das Grußwort von Oberbürgermeister Christof Bolay persönlich überreichen. Im Gegenzug erhielten wir ein offizielles Grußwort für die Stadt Ostfildern sowie ein Gastgeschenk der Gemeinde Mykonos. Auch die griechisch-orthodoxe Kirche bereitete unserer Delegation einen außergewöhnlichen Empfang. Auf der Wallfahrtsinsel Tinos wurden wir von Pater Georgios Fanerós, Erzpriesterlichem Kommissar der Heiligen Insel Tinos, empfangen und erhielten spannende Einblicke in die religiöse und kulturelle Geschichte der Kykladen. Im historischen Kloster Panagia Tourliani in Ano Mera begrüßte uns Vater Alexios, der den Schülerinnen und Schülern die Geschichte des Klosters und die Bedeutung der orthodoxen Tradition auf Mykonos näherbrachte. Auch hier waren wir nach Aussage unserer Gastgeber die erste ausländische Schulgruppe, die in diesem Rahmen offiziell empfangen wurde. Zu den weiteren Höhepunkten gehörte die Teilnahme am traditionellen Klidonas-Fest (Johannisfest), bei dem die im Mai gebundenen Blumenkränze verbrannt werden – ein jahrhundertealter Brauch, der für Erneuerung und einen Neuanfang steht. Ebenso waren wir Gäste bei der Präsentation von Schulprojekten der örtlichen Schulen und erlebten ein Konzert mit traditioneller griechischer und bulgarischer Musik im Rahmen einer Blutspendeaktion der Gemeinde. Diese Begegnungen ermöglichten unseren Schülerinnen und Schülern einen authentischen Einblick in das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Insel – weit über das hinaus, was man als Tourist erleben würde. Ein Gedanke zog sich dabei wie ein roter Faden durch die gesamte Woche. Die Menschen auf Mykonos wünschen sich, dass ihre Insel nicht ausschließlich mit Luxus, Stränden oder Partys verbunden wird. Sie möchten den Besucherinnen und Besuchern vielmehr ihre jahrtausendealte Geschichte, ihre orthodoxe Tradition, ihre lebendige Kultur und ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft näherbringen. Genau diese Botschaft wollten sie unseren Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben. Unsere Jugendlichen kehren deshalb nicht nur mit vielen neuen Eindrücken zurück. Sie sind zu Botschafterinnen und Botschaftern dieser Botschaft geworden. Mit den entstandenen Interviews und Filmaufnahmen werden sie in den kommenden Wochen weiterarbeiten, den Dokumentarfilm fertigstellen und ihre Ergebnisse im Unterricht sowie innerhalb unserer Schulgemeinschaft präsentieren. Ein Aspekt hat uns als Lehrkräfte dabei besonders bewegt: Unsere Schülerinnen und Schüler wurden überall mit großem Respekt empfangen und als junge europäische Gesprächspartner ernst genommen. Sie diskutierten mit Bürgermeister, Geistlichen, Archäologen, Unternehmern und Lehrkräften auf Augenhöhe und präsentierten ihre Ergebnisse am Ende der Woche in einer öffentlichen Abschlussveranstaltung gemeinsam mit ihren griechischen Partnern. Solche Erfahrungen erweitern den Horizont junger Menschen in besonderer Weise. Sie zeigen ihnen, dass Engagement, Offenheit und Bildung Türen öffnen können und dass sie selbst Teil eines gemeinsamen Europas sind. Für viele war diese Woche deshalb weit mehr als eine Klassenfahrt – sie war eine Erfahrung, die Mut macht, Verantwortung zu übernehmen, neugierig zu bleiben und den eigenen Blick auf die Welt nachhaltig erweitert. Für uns war diese Woche ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Europa durch persönliche Begegnungen, gemeinsames Lernen und gegenseitigen Respekt lebendig wird. Aus einer Projektwoche sind neue Freundschaften, zahlreiche Ideen für die weitere Zusammenarbeit und die Perspektive einer langfristigen Partnerschaft zwischen unserer Schule und den Schulen auf Mykonos entstanden.